Geschichtliche Ausarbeitungen

Vorwort

Seit der Kerb 2013 kooperieren die Kerbeburschen mit ihrem passiven Mitglied Frank Durda (Kenner der Sossenheimer Stadteilgeschichte). Mit seiner Unterstützung sowie seinen Kontakten möchte der Verein beginnen, die Geschichte der Kerbeburschen in Sossenheim aufzuarbeiten. Dabei steht insbesondere das ausgeprägte geschichtliche heimatliche Interesse unseres Vereins an der Aufbereitung der „Legende der Sossenheimer Kerbeburschen“ im Vordergrund.

Wir möchten uns daher insbesondere bei den Quellengebern Christoph Ruppert sowie Toni Kinkel für die Verfügungstellung wichtiger geschichtlicher Informationen bedanken.

Bisher liegen Informationen aus den Jahren 1900 (Bild), 1908-1915 sowie aus dem Jahre 1922-1929 vor.


Allgemeines


Informationen zum Begriff der Kirchweih

Kirchweih

„Unter Kirchweihfest verstehen wir die Erinnerungsfeier an jenen Tag, an dem unsere Kirche durch die Weihe des Bischofs für den Gottesdienst übergeben wurde. Wir feiern die Kirchweih am Sonntag nach St. Michael, da unsere Pfarrkirche ihm zu Ehren geweiht ist. Der kirchlichen Feier folgt die weltliche Feier. Gar viele frohe Gäste kommen bei dieser Gelegenheit zu uns, um gerne einige vergnügte Stunden zu erleben. Hoffen wir, daß die Kirchweihtage ruhig verlaufen.“

 

Aus : Sossenheimer Zeitung Nr.79, vom Samstag, den 2. Oktober 1926

Ehemals: Archiv : Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20, 65936 Frankfurt / Main – Sossenheim

Jetzt: Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main
Kirchweihfest

 

Unser Kirchweihfest brachte auch in diesem Jahr Leben in unseren Ort, wenn gleich trotzdem die allgemeine wirtschaftliche Notlage nicht unbemerkbar blieb. Nach dem schönen Wetter, dem lebhaften Verkehr in den Straßen, sowie nach den gutbesetzten Gastlokalen zu urteilen, darf man annehmen, daß Kerwegeschäft und Gaststätten mit der „Vorkerb“ zufrieden waren.“

 

Aus : Sossenheimer Zeitung Nr.80, vom Mittwoch, den 6. Oktober 1926

Ehemals: Archiv : Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20, 65936 Frankfurt / Main – Sossenheim

Jetzt: Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main


Informationen zur historischen Bekleidung der Kerbeborsche

Studentenmützen Student-reiferes Semester

Sicherlich sind  auf den historischen Fotos die Samt-Kappen der Kerweburschen zu erkennen. Historisches Vorbild dürften  hier Studentenburschenschaften  gewesen sein. Gleiches gilt für die traditionellen Schärpen (siehe zeitgenössische Postkarten).


Informationen zum Begriff des Juxplatzes (geschichtliche Herleitung des Begriffs „Jux „)

„Die Holzbrücke am Gemeindeplatz (Juxplatz) wird wegen vorzunehmender Bauarbeiten vom kommenden Samstag an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt.“

Sossenheim den 9. Oktober 1926

– Die Polizeiverwaltung –

 Aus : Sossenheimer Zeitung Nr.81, Samstag, den 9. Oktober 1926

Ehemals: Archiv : Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20, 65936 Frankfurt / Main – Sossenheim

Jetzt: Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main


Die Sossenheimer Dorfwirte (Informationen aus der Sossenheimer Pfarrchronik)

1699/1707 wird Nik.Göbel als Bierbrauer und Bierwirt bezeichnet und 1711/1719 Konrad 

Heus als ebensolcher, gleichzeitig heisst 3.er letztere auch Wirt (hospes). 1702/1706 heisst 

Joh. Adam Brechenberger Schenkwirt (caupo) . 

Auch Joh.Pet.Hee’p heisst 1718 noch cerevisiarius (Bierbrauer) Bierwirt. Von 1752 an aber wird der letztere als Wirt zum Weissen Ross aufgeführt. Das „Weisse Ross“ wäre also die älteste Wirtschaft hier gewesen. Sie lag in der Kirchstrasse (Nr. 1/3). Das Wirtsschild wird noch in der Wirtschaft „Concordia“ aufbewahrt. Auch Heinrich Bierwirth wird 1756 und öfter als Wirt erwähnt. 

Joh. Pet.Heep der Alte, heiratete 1716 A.Katharina Rieb. Auch sein Sohn Wilhelm Heeb 1725-1796 war noch Wirt zum „Weissen Ross“; seine Frau war M. Ursula Fay. Er hat seine einzige Tochter Margarete verheiratet und scheint ihm die Wirtschaft an ihn abgegeben zu haber, derselbe wird von 1803 an der Jüngere und Wirt zum „Weissen Ross“ genannt wird. Johann Fay  war der Sohn von Christian Fay und Margarete geb. Koch; er war 1769 geb. und ist 1809 gest. Als Schwiegersohn des vorgenannten Wilhelm Heeb.

Er war der Schwiegersohn des vorgenannten Wilhelm Heeb, denn er hat dessen einzige Tochter Margarethe Heeb geheiratet und somit sozusagen in die Wirtschaft mit hineingeheiratet. Nach seinem Tod führte seine Witwe die Wirtschaft zum „Weißen Ross“ noch weiter, bis sie ihr Sohn Peter Fay übernahm, der 1800 geboren und 1857 gestorben ist. Das Wirtshaus zum „Weißen Ross“ ist später abgerissen worden und hat den neueren Häusern Kirchstr. 1 und 3 Platz gemacht.

Das zweitälteste Wirtshaus ist die „Rose“. Sie wird 1806 zuerst genannt. Der Wirt hieß Johann Fay und der U.M. geb. Glückmann, er ist 1765 geb. und 1836 gestorben., seine Frau war U.M. Aumüller aus Stierstadt; mit ihnen sind eine ganze Anzahl Sossenheimer Familien verwandt oder verschwägert.

Um die Zeit, als die Rose entstand scheint auch die „Krone“ entstanden zu sein. Leonhardt Moos, geb. 1765, gest. 1837 scheint sie aufgetan zu haben. Seine Frau war Margaret Sax aus Mammolshain (von der Ziegelhütte bei Cronenberg.

Der „Löwe“ scheint in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden zu sein; denn Jakob Fay, Sohn des Siegbert Fay, aus der Familie des Bäckers Joh. Bet. Fay, wird der „Löwenwirt“ zuerst genannt. Dieser Jakob Fay hat 1837 Eva Kinkel geheiratet.

Aus.: „Sossenheimer Zeitung“  Nr. 31, vom Mittwoch, den  17. April 1918

Archiv : Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20,  65936 Frankfurt / Main – Sossenheim


1908


Historische Informationen über unsere Stammkneipe „Hainer Hof“ aus dem Jahre 1908

Der „Hainer Hof“ wird leider nie in den Inseraten und kaum in den Zeitungsmeldungen erwähnt, da er leider keinen Tanz- und Veranstaltungssaal besaß.

Kurioser Weise wird der „Hainer Hof“ jedoch gerade in der ältesten uns bekannten Zeitungsmeldung über Sossenheimer Kerbeburschen erwähnt. Es wird sogar ausdrücklich erzählt, dass dort von Kerbeburschen im Oktober 1908 ein Kerwe-Baum aufgestellt wurde. Ein Kerwebaum von insgesamt zweien im Ort. Um 1910-1913 gab es 14 Gasthäuser in Sossenheim und die Kerb wurde zwei Wochen lang gefeiert.

Der Artikel:

Das Kirchweihfest

war diesmal an beiden Sonntagen vom herrlichen Wetter begünstigt. Die Kerweborsch hatten ihre Sachen im Schwung. Die üblichen Aufzüge erfolgten an den bekannten drei Tagen und die Zahl der Kerbeborsch war diesmal eine ziemlich starke. Zwei Kerwebäume wurden gestellt, der eine am Gasthaus „zum Adler“ und der andere am „Frankfurter Hof“ gestellt, welche verlost und ersterer von Frau Elis. Lacalli und letzterer von Georg Schneider gewonnen wurde. – Auch eine Anzahl der 1890 Kameraden (Gesellschaft Einigkeit) hatten ebenfalls zwei Kerwebäume und zwar einen am Gasthaus „zum Löwen und einen am „Hainer Hof“ gestellt, welche ebenfalls verlost wurden. Die glücklichen Gewinner sind die Herren Anton Fay und Lorenz Brum, Metzgermeister.- Auch am Gasthaus „zur Concordia“ stand ein Kerwebaum, der von einigen jungen Burschen gestellt wurde. – Am Montag Nachmittag kurz vor 06 Uhr wurde die „Kerb“ mit Blechmusik und den üblichen Zeremonien begraben.

Aus : Sossenheimer Zeitung Nr. 82 vom Mittwoch, den 14. Oktober 1908

Archiv :           Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20,

65936 Frankfurt / Main – Sossenheim


1909


SZ  Nr 76 22091909    19 Geburtstag Schriftführer Kerweborsch SZ Nr. 55 10071909 Generalvers 1890er KB

Auch abseits der Kerbezeit finden sich Zeitungsannoncen der Kerbeborsch : Die Generalversammlung im „Hainer Hof“ aus SZ Nr. 55 vom 10.07.1909.

In der „Sossenheimer Zeitung“ Nr. 76 vom 22.09.1909 wird dem Schriftführer zum 19. Geburtstag gratuliert.


1910


 

SZ Nr. 58 23 07 1910 Turmseilkünstler auf dem Juxplatz

Am 23.07.1910 traten außerhalb zur Marktzeit Turmseilkünstler in Sossenheim auf dem Juxplatz auf


1911


SZ Nr 68 26 08 1911 Humorgesellschaft  1892 als KB

Die Humorgesellschaft 1892 ist/sind Kerweborsch 1911

(siehe Sossenheimer Zeitung Nr. 68 vom 26.08.1911).


1912


Athletenwettstreit auf dem Juxplatz  SZ Nr.58 20 07 1912

Ein Athletenwettstreit auf dem Juxplatz in Sossenheim im Juli 1912

(Sossenheimer Zeitung Nr. 58 vom 20.07.1912)

SZ Nr74 14 09 1912 Kerbeborsch Preisschießen (1)

Kerbeborsch-Preisschießen im Jahre 1912 (SZ Nr. 74, vom 14.09.1912). Verwunderlich, dass hier in diesem Inserat erstmals korrekt nach heutiger Rechtschreibung Kerbeborsch-Preisschiessen (mit „b“ statt „w“) geschrieben wurde.


1918


Historisch verblüfendes Inserat aus dem Jahre 1918

Unbenannt


1920


Historisches Foto aus dem Jahre 1920

_Sossenheimer Kerweburschen Jahrgang  1900 mit § 11
Das Bild zeigt den Kerbeburschenjahrgang von 1900. Sehr schön der §11 im Mittelpunkt als Anspielung auf das dem Studentenbrauchtum entlehnten „Trunkenheitsgebot“

Exkurs zum §11 „Bierparagraphen /Trunkenheitsgebot“

Der immer wieder auf historischen Fotos geradezu inflationär dargestellte §11 entstammte nun definitiv dem studentischen Burschenschaften-Brauchtum. Es handelt sich um den berühmten „Bierparagraph“, in Kerbeburschenkreisen handelt es sich wohl eher um das „Trunkenheitsgebot“.

Der Paragraph 11 ist der bekannteste und am weitesten verbreitete Paragraph in Bier-Comments von Studentenverbindungen. Gebräuchlich war der Begriff auch unter den mancherorts als „Knoten“ bezeichneten Gesellen. Er lautet traditionell „Es wird fortgesoffen!“, „Es wird weitergesoffen!“ oder lateinisch „porro bibitur!“. In Österreich und in der Schweiz gibt es Varianten. Alte Überlieferung ist der § 11 nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch in den deutsch-baltischen Studentenverbindungen, zum Beispiel bei Selonia.

Ursprung

Der älteste schriftlich überlieferte Bier-Comment stammt aus Tübingen aus dem Jahr 1815. Dieser umfasste nur sechs Paragraphen, hatte also keinen Paragraphen 11. Der älteste in der Literatur bekannte Beleg für einen Paragraphen 11 mit dem hier behandelten Inhalt befindet sich im „Neuen jenaischen Biercomment“ von 1853.

Zur Herkunft dieser Sitte gibt es viele Erklärungsversuche. Als plausibel gilt der Erklärungsversuch von Christian Helfer, der den Paragraphen auf eine Gesellenordnung aus dem Jahre 1815 zurückführt, die besagt, dass die Wanderung eines Handwerksburschen auf gar keinen Fall unterbrochen werde dürfe, im Sinne von „Es wird weiter gewandert!“. Da sich die Handwerksburschen und die Studenten im 19. Jahrhundert extrem feindlich gegenüberstanden und handgreifliche Auseinandersetzungen eher die Regel als die Ausnahme waren, sind kaum Parallelen in den Sitten und Gebräuchen festzustellen. In diesem Fall scheint eine gegenseitige Beeinflussung aber doch plausibel, weil der Bezug auf den Paragraphen 11 in beiden Subkulturen üblich ist.

Das Verbot des „Exkneipens“, also des Fortsetzens des Abends an einem anderen Ort als dem Kneipsaal, wird in der Regel auf § 11 gestützt – insoweit wird § 11 also neben seiner scherzhaften Bedeutung auch ein bestimmter Regelungsgehalt zugemessen.

Manche Biercomments enthalten als spielerische Fortentwicklung ferner einen Paragraphen 111 mit einem Inhalt, welche sich an den „klassischen“ Paragraphen 11 anlehnt, etwa „Die Alten tranken immer noch einen, bevor sie gingen“ oder „Auch auf den (Bier-)Dörfern wird weitergesoffen“.

Rezeption des § 11 außerhalb des Biercomments

Aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert finden sich auch zahlreiche Kunstgegenstände, meist Biergefäße und geschnitztes Kneipgestühl, mit der Darstellung „§ 11“. Beliebt waren auch Fotos von Kneipgesellschaften, bei denen ein Bierfass mit der Kreideaufschrift „§ 11“ im Mittelpunkt stand. In Raperswil SG und in Burg (bei Magdeburg) griffen gar Restaurants auf den Paragraphen 11 als Namensgeber zurück.

Besondere Öffentlichkeit erlangte der Paragraph 11 im Jahre 1919 nach Ende des Ersten Weltkriegs , als Konteradmiral  Ludwig von Reuter am 21. Juni mit den Codeworten „Paragraph Elf. Bestätigen.“ (im Sinne von „Es wird abgesoffen!“) das Vorbereitungssignal zur Selbstversenkung der Kaiserlichen Hochseeflotte im britischen Kriegshafen Scapa Flow gab.

Literatur

  • Friedrich Kluge, Werner Rust: Deutsche Studentensprache, Bd. 2, in: Historia Academica, Schriftenreihe der Studentengeschichtlichen Vereinigung des CC, 1985, S. 82
  • Christian Helfer: Kösener Brauch und Sitte, Ein corpsstudentisches Wörterbuch, 2., erweiterte Auflage. Saarbrücken 1991, S. 37.
  • Friedhelm Golücke: Studentenwörterbuch, Das akademische Leben von A-Z. Graz/Wien/Köln 1987, S. 263.
  • Theo Gantner: Mit Gunst und Erlaubnis! Drei Jahre und ein Tag — Wandergesellen des Bauhandwerks im 20. Jahrhundert. Begleitpublikation des Museums für Völkerkunde und Schweizerischen Museums für Volkskunde, Basel 1987, S. 36
  • Ludwig von Reuter: Scapa Flow – Das Grab der deutschen Flotte. Koehler, Leipzig 1921

Auswirkungen/Spuren des § 11  auch heute noch erkennbar -Zeilsheim

Zeilsheim: Dort steht noch das ehemalige Gasthaus zum Gambrinus. Eben jener Gambrinus hockt auf einem Fass mit dem §11.

Gasthaus zum Gambrinus:

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1921


Historisches Foto aus dem Jahre 1921  -Parallelen auch in Sossenheim zu Gambrinus erkennbar-

_Sossenheimer Kerweburschen Jahrgang  1901 mit Alois Kinkel
Das Bild zeigt den Kerbeburschenjahrgang von 1901 mit Alois Kinkel (dem Vater von Toni Kinkel). Vom Fotografen aus gesehen sitzt er links neben dem Fass.

Einem Motiv welches einem  doch sehr bekannt vorkommt. Das Kerbeburschenbild Jahrgang 1900 hatte den Paragraphen auf dem Fass, Jahrgang 1901 stellte womöglich dieses Motiv des Gambrinus nach, denn dort hockt ein Kerwebursch sogar wie Gambrinus höchstpersönlich auf dem Fass.


Auf Spurensuche „Begrabung der Kerb in Sossenheim“ (Jahr 1921)

An dieser Stelle zeigen wir Ihnen einen wichtigen Artikel, der bisher auch als einzigstes beschreibt, wie die Kerb/Kirchweih überhaupt „begraben“ wurde. Leider bleibt die Sossenheimer Zeitung in vielen Artikeln über die Kerb äußerst ungenau mit der Formulierung „wurde die Kerb nach den üblichen Bräuchen begraben“. (Aber was waren denn die üblichen Bräuche ?) Dieser Begriff („begraben“) an sich ist missverständlich, da es in einigen Bundesländer durchaus auch den Brauch gibt die Kerb tatsächlich zu begraben: Meist wird symbolisch eine Zigarrenschachtel/Holzkiste mit Kerbe-Utensilien vergraben. Die gleiche Holzkiste wird ein Jahr später dann wieder ausgegraben.

Nicht so bei uns in Hessen und in Sossenheim: Dort ist es seit je her schon üblich die Kerb (symbolisch die Kerbepuppe) zu verbrennen. Im Jahrgangsband 1921 wurde ich dann fündig, womit das einäschern/verbrennen der Kerb auch für das Jahr 1921 für Sossenheim nachweisbar dokumentiert ist:

Die Kirchweihtage

sind nun auch wieder vorüber und hatten diesmal prächtiges Wetter zu verzeichnen. Auf dem Juxplatz, der mit allerlei Buden ect. reichlich versehen war, herrschte ein lebhaftes Treiben. Tanzbälle und Wirtschaften waren gut besucht. Dem alten Brauch, Aufstellen eines „Kerwebaumes“ und Aufziehen der „Kerweborsch“ hatte man gleichfalls gehuldigt. Man ging sogar noch weiter. Nicht nur die diesjährigen sondern auch die nächstjährigen, sog. „Vize-Kerweborsch“ oder wie sie sich nennen, nahmen sich das Recht und stellten am „Nassauer Hof“ einen zweiten Kerwebaum auf. Sie hatten aber Pech, denn einige gute „Freunde“ haben den „Kerwebaum“ in der Nacht zum vergangenen Sonntag gestohlen. Die „Vize-kerweborsch“ machten recht vertuschte Gesichter und suchten schon in aller Frühe den ganzen Ort nach „Kerwebaum“ und Diebe ab, aber ohne Erfolg. Im übrigen sind die Feiertage gut verlaufen. Am Montag Abend wurde die Kerb feierlich mit Musik und unter dem Gaudium der Bewohner begraben oder vielmehr eingeäschert.

Aus : Sossenheimer Zeitung Nr 81, Mittwoch den 12. Oktober 1921.

Archiv :          Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20,

65936 Frankfurt / Main – Sossenheim


1926


Gruppenfoto des Kerbejahrgangs 1926

Der Sossenheimer 041977 KB-Jahrgang 1907 Kerbeborsch 1926

(von links stehend, hintere Reihe) Franz Reier, Paul Noss, Anton Fay, Heinrich Zimmermann, Fritz Labonde, Karl Reidelbach, Rudolf Lisch, Hans Höfler, Peter Fay, Karl Kinkel, Alois Ruppert, Otto Kaiser, Peter Munsch,

(zweite Reihe von oben) Karl Götz, Emir Bihr, Franz Kopp, Jakob Schäfer, Alfons Noss, Hermann Krebs, Philipp Belz, Willi Reichwein, August Pleines, Karl Schüler, Wilhelm Dosch, Wilhelm Ostheimer, Ottmar Schwenzer,

(vordere Reihe) Hermann Rühl, Anton Fay ( Westerwaldstraße ), Philipp Albert, Hans Trog, Karl Muth (Volkshauswirt), Ludwig Löwe, Peter Faupel, Willi Pfeifer, Willi Würth, Peter Muth.

Aus der Fotografie ist nun auch exakt definierbar, in welchem Alter man früher Kerbeborsch gewesen ist. Aus der Subtraktion von 1926 -1907 ergibt sich ein Alter für:

19 Jahren Vize-Kerbeborsch, 20 Jahren Kerbeborsch und mit, 21 Jahren Ex-Kerbeborsch (entspricht zugleich damit dem Rekruteneinzugsalter der damaligen Zeit)

Ebenfalls auf dem Foto zu sehen sind die Spitzgiebelfenster des alten Volkshauses (Baujahr 1924) , welches 1926 erst seit 2 Jahren erbaut war.

Quelle: „Der Sossenheimer Nr.7 Ausgabe 1977“


Exkurs zu den Verschönerungsarbeiten am Sossenheimer Faulbrunnen im Jahre 1926

Sossenheimer Faulbrunnen

„Die Verschönerungsarbeiten am Faulbrunnen sind nunmehr eröffnet. Eine Umrahmung des Brunnens ist bereits annähernd fertiggestellt, dem der weitere Ausbau baldigst folgen wird. Wir wollen damit zufrieden sein, daß die Aufräumungsarbeiten am Faulbrunnen nunmehr in Angriff genommen wurden; viel Ansehen konnte sich die Gemeinderverwaltung mit der Quelle seither doch nicht erwerben“.

Sossenheimer Zeitung Nr. 57 vom Samstag, den 17. Juli 1926

Ehemals: Archiv : Druckerei Josef Ruppert, Michaelstraße 20, 65936 Frankfurt / Main – Sossenheim

Jetzt: Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main


Exkurs zum Vorbereitungstreffen zur Eingemeindung Sossenheims in die Stadt Frankfurt am Main im Jahre 1926

„Um die Eingemeindung Sossenheims. Die im letzter Zeit der Öffentlichkeit stark beschäftigende Angelegenheit der Eingemeindung Sossenheims in das Frankfurter Stadtgebiet ist nun auch in einer am letzten Samstag im Volkshaussaale abgehaltenen öffentlichen Versammlung erörtert worden. Bekanntlich sind die Verhandlungen schon so weit fortgeschritten, daß ein Vertragsentwurf vorliegt, der in der Versammlung behandelt wurde. So hat Frankfurt versprochen durch eine Autobuslinie eine bessere Verbindung mit dem neuen Vorort herzustellen, die Kanalisation durchzuführen, den Sulzbach zu regulieren, die Pfalsterung verschiedener Nebenstraßen vorzunehmen und das Bauen von Wohnungen in Sossenheim zu fördern. Den neuen Bürgern sollen alle Rechte gewährt werden, wie sie der Frankfurter Bürger bereits besitzt. Von besonderer Bedeutung für die notwendig gewordene Eingemeindung ist vor allem die finanzielle Last der Gemeinde, deren Ausgaben für die Wohlfahrtszwecke auf das 10- , die Schullasten auf das 8-, die Gehälter auf das 8-fache der Vorkriegszeit gestiegen sind. Die Versammlung stimmte mit großer Mehrheit folgender Resolution zu:

„Die am 15. Mai 1926 im Volkshaus stattgefundene Einwohner-Versammlung beauftragt die Gemeindevertretung die Eingemeindung mit Frankfurt a. M. zu Ende zu führen“.

Sossenheimer Zeitung Nr. 40 vom Mittwoch, den 19. Mai 1926.

Die Einladung  im Jahr 1926 erfolgte über ein Inserat in der Sossenheimer Zeitung. Überraschend ist jedoch,  wer das Inserat zuvor geschaltet hatte (wider erwarten nicht die CDU): Eingeladen hatte die SPD und die damals noch zugelassene KPD!


1929


Gruppenfoto des Kerbejahrgangs 1929

Sossenheimer Kerbbeburschen mit Toni Kinkel  Jahrgang  1929

Das Bild  zeigt den 1929er Kerbejahrgang (Geburtsjahrgang 1910) Jahrgang mit Fahne. Hierbei handelt es sich um eine Geburtsjahrgangsfahne. Toni Kinkel (bekannter Heimatforscher Sossenheims) ist der 7. Kerbeborsch‘ in der oberen Reihe. Jahrgang bedeutete zu dieser Zeit bis nach dem zweiten Weltkrieg jeweils den Geburts-Jahrgang Dies erscheint zudem plausibel, da Toni Kinkel tatsächlich im Jahre 1929 geboren wurde. Aufgenommen wurde das Bild demnach 18 Jahre später.

Schön auch, dass das Foto direkt auf der damals noch mit Pflastersteinen belegten und ungeteerten Hauptstraße gemacht wurde. (Das Pfarr- und Gemeindehaus im Hintergrund ist leider durch Bäume verdeckt. Das Haus vor der Einfahrt der Thomestraße beherbergte vor dem 1. Weltkrieg einen Friseur, ist jedoch im oberen linken Bildrand noch deutlich erkennbar, ebenfalls den ehemaligen Metzgerladen am oberen rechten Bildrand).

Die Fahnen späterer Jahrgänge z.B. in den 80er zeigten nicht mehr den Geburtsjahrgang, sonder nur noch das aktuelle Kerbejahr an.
Offensichtlich konnte man sich – auch dank geburtenschwacher Jahrgänge – nicht mehr nur auf einzelne Jahrgänge beschränken…


 

 

 

 

an dieser Stelle möchte sich der Verein bei seinem Mitglied und Unterstützer Frank Durda für die historisch genaue und beeindruckende Aufarbeitung erster Erkenntnisse bedanken.