Brauchtum

Tradition der Kirchweih

Die Bezeichnung „Kerb“  steht im direkten Zusammenhang mit dem Wort „Kirchweih“ und hat sich über die verschiedenen Regionen und deren Dialekte entwickelt. So heißt beispielsweise die Kirchweih im Vogelsberg „Kirb“ oder „Kirmes“ oder im Bayerischen Dialekt „Kirm“.

Kirchliche Tradition

Das Fest der Kirchweih stellt ein altes traditionelles Fest dar, bei dem die Weihung der Ortskirche gefeiert wird. So kommt es daher zu abweichenden Veranstaltungsterminen zwischen einzelnen Ortschaften, da nicht jede Kirche zum selben Zeitpunkt geweiht worden ist.

Aus dem Zeitpunkt der Sossenheimer Kerb ist daher zu entnehmen, dass die Kirchweih der Sossenheimer Kirche in der Vergangenheit am ersten Sonntag im  Oktober erfolgt sein muss.

Aus der eigentlich nur in Form eines Gottesdienstes gefeierten Andachtsmesse hat sich jedoch in den gesamten Regionen des deutschsprachigen Raums ein Volksfest entwickelt, das sich über das gesamte Wochenende des Kirchweihtages erstreckt.

Der Brauch des Kerbebaums geht insbesondere aus dem bayrischen Raum Deutschlands hervor. Aus einzelnen Chroniken von bayrischen Kerbegesellschaften ist zu entnehmen, dass durch das Aufstellen des Baums im Ortsmittelpunkt auf das stattfindende Fest hingewiesen werden soll. So soll man bereits aus anderen Ortschaften durch den stehenden hohen Baum erkennen, dass „Kirm“ ist.  Aus der Tradition des Baumstellens und der Veranstaltung der Kerb haben sich über die Zeit Kerbeburschen entwickelt, deren Aufgabe es ist , die Kerb auszurichten und die Tradition in die nächste Generation weiterzugeben.

Insbesondere ist für Sossenheim anzumerken, dass das Fest der Kirchweih immer im Rahmen des Erntedankfestes gefeiert wird. Demzufolge ist es in Sossenheim seit Jahrzehnten üblich, als Symbol am Baum einen gewaltigen „Kürbis“ zu befestigen.

 

Bekannte Informationen aus Sossenheim

Die Kerb in Sossenheim wird nach Erzählungen gefühlt seit Jahrhunderten gefeiert. Jedoch gibt es kaum Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, seit wann es Kebeburschen in Sossenheim gibt. Nach intensiver Recherche n an einigen Institutionen sowie bei bekannten Stadteihistorikern haben wir Bilder aus 1926 gefunden, auf denen Kerbeburschen vor dem alten Volkshaus Sossenheim stehend abgebildet sind. Es ist daher annehmbar, dass die Tradition in Sossenheim bereits seit Anfang 1900 in Sossenheim verwurzelt ist.

Auch konnten wir durch intensive Recherche dank einigen zur Verfügung gestellten Bildern in Erfahrung bringen, dass es in Sossenheim früher üblich gewesen sein muss, einen Kerbehammel  für die Kerb zu bestimmen, der anschließend versteigert worden ist. Dies ist unteranderem auf den Bilder von 1926 zu entnehmen.

Leider ist die Tradition in Sossenheim mehrmals eingeschlafen. Beispielsweise durch den Krieg konnte erst Anfang der 50er Jahre wieder die erste Kerbeburschengruppen gebildet werden. Früher war es für die Jungen durch die Kerb nochmal möglich, die letzten Jahre als Junggeselle intensiv als Kerbeborsch auszukosten, bevor das Militär rief und man heiratete. Heute ist von diesem Trend wenig zu spüren. Es sind überwiegend die am ganzen Jahr stattfindenden Aktionen, die den Zweck der Kerbeburschen heute ausmachen. Dabei versteifen sich immer mehr Gruppen nicht nur auf das Kerbewochenende, sondern sind das ganze Jahr über durch verschiedene Aktionen aktiv.

Ist eigentlich die Kerb mit den Fahrgeschäften und die der Kerbeburschen das Gleiche?

Streng traditionell gesehen hat die Kerb auf dem Kerbeplatz nichts mit der Kerb der Kerbeburschen zu tun. In Sossenheim war es früher üblich, dass die Kerbeburschen fern ab vom Kerbeplatz ihre eigenen Veranstaltungen in Form eines Kerbeballs ausgerichtet haben. Dort tanzte man im großen Saal auf Blasmusik und feierte die Kerb im geselligen bäuerlichen Rahmen. Austragungsorte waren in Sossenheim unteranderem der Gasthof zum Löwen, zum Taunus sowie das Gasthaus zur Krone und das alte Volkshaus in Sossenheim.

Wonach bestimmt sich eigentlich der Standort des Baums?

In Sossenheim ist es traditionell so, dass der Kerbebaum immer dort steht, wo die Kerbeburschen ihre Kerb feiern. So ist es daher zu begründen, dass Kerbebäume unter anderem am alten Volkshaus, am Gashaus zum Löwen, am Gasthaus zum Taunus oder Riwwler gestanden haben, währenddessen die Kerb des Vereinsrings Sossenheim e.V. ab den Nachriegsjahren an einem anderen Standort veranstaltet worden ist. Faktisch gesehen gab es daher die Zeltkerb und die Kerbefeierlichkeiten der Kerbeburschen.

Verwirklichung der Tradition zur heutigen Zeit

Nachdem die Kerbeburschen in Sossenheim Ende der 80er Jahre ihre letzte aktive Veranstaltung gefeiert haben und es nicht mehr möglich war den Baum am Löwen aufzustellen, einigte man sich die Hülse des Baumes nach bayrischem Vorbild mitten im Ortszentrum am Faulbrunnen zu setzen. So besteht für jedermann sichtbar die Chance, den Kerbebaum bei einer Durchfahrt durch den Ort und bereits sehend aus weiterer Distanz hoch über den Dächern schwebend zu sehen.

Auch die Veranstaltung eines eigenen Kerbeballs ist mangels Besuchern in der heutigen Zeit nicht mehr praktizierbar. Deshalb ist man seit dem auleben der Kerbeburschen im Jahre 2010 dazu übergegangen, die durch alles Sossenheimer Vereine veranstaltete Sossenheimer Kerb traditionell zu umrunden und die Kerb gemeinsam mit allen Vereinen aus Sossenheim im Zelt zu feiern.

Die soll insbesondere dazu beitragen, dass man eine Tradition, die in der heutigen Zeit schwierig geworden ist am Leben zu erhalten am Leben erhält und  nicht unnötig durch eine zweite Kerbeburschenveranstaltung die kleine Sossenheimer Kerb splittet. Neben der Kerb veranstalten die Kerbeburschen ihr jährliches Sommerfest sowie die Puppenverbrennung in Form eines Saisonabschlusses.

Auch im Bereich der Vereinsführung hat sich einiges verändert. So versucht man heute durch Dialog zum Sprachrohr aller Vereine (Vereinsring) sowie zu den einzelnen Vereinen sich gegenseitig zu unterstützen und nicht wie früher sein eigenes Brötchen zu backen.

Wir hoffen daher auch in Zukunft die Tradition in zeitangemessener Weise weiterhin am Leben zu erhalten und hoffen daher auch auf Ihre Unterstützung!