Sossenheimer Kerbeburschen suchen einen Sossenheimer-Kerbebaum (Pressestimme des Höchster Kreisblatt)

Manchmal kann man es sich nicht aussuchen, aber man kann versuchen, das Beste daraus machen: Weil wegen des Feiertags am Samstag, 3. Oktober, keine Lkw fahren dürfen, können die Sossenheimer Kerbeburschen ihren Kerbebaum nicht – wie im vergangenen Jahr – aus dem Taunus holen. Auch schweres Gerät zum Aufstellen fällt flach. Also haben sich die jungen Brauchtumspfleger dazu entschlossen, alles ganz anders zu machen – und viel traditioneller. „Wir nutzen diesen Umstand als Anlass, um einen ganz einmaligen Schritt in der Kerbetradition zu wagen“, sagt ihr Vorsitzender Michael Schneider: „Mer sin Sossenheimer Bube, dann stelle mer auch en Sossenheimer Baum uff . . .“

Die Kerbeburschen wollen den Baum in Sossenheim schlagen und ihn mit einem kleinen Marsch zum Aufstellplatz transportieren – mithilfe des Traktors ihres Mitglieds Walter Opelt. Erstmals soll in diesem Jahr auf die traditionellen Stangen zurückgegriffen werden. „Kritikern stopfen wir somit das Mundwerk, denn auch wir können einen Baum mit Stangen stellen“, sagt Schneider. Die Unterliederbacher tun das immer . . . Um jedoch nicht versicherungsrechtlich fahrlässig oder gar vorsätzlich zu handeln, ist geplant, die ganze Aktion durch einen Teleskoplader zu unterstützen, der die Notfallsicherung des Baumes darstellt.

Ein Baum muss jedoch erst gefunden werden. Gesucht wird ein gerades Gewächs, möglichst eine Fichte, die zwischen 14 und 20 Meter hoch, frei fällbar und gut abtransportierbar ist. Dem Spender wird eine Nennung auf dem jährlichen Banner und eine Ehrung zum nächsten Sommerfest blühen. „Ganz ehrlich, wer hat schon die Ehre, dass sein Baum der Kerbebaum Sossenheims gewesen ist?“ sagt Michael Schneider. Kontaktieren kann man die Kerbeburschen per E-Mail unter der Adresse schneider-_-@hotmail.de.

Seit einigen Jahren gibt es durch eine Initiative des Sossenheimer Vereinsrings wieder Kerbeburschen im Stadtteil. Seit 2011 stellt die Jugendorganisation den Kerbebaum auf, und seit 2013 tritt der Verband strukturiert als eingetragener Verein auf. Wie auch in den Jahren zuvor war der Verein nicht nur zur Kerb aktiv: In diesem Jahr begann er mit einer erfolgreichen Teilnahme an den Fastnachtsumzügen in Eschborn und Frankfurt sowie mit einer gut besuchten Jahreshauptversammlung den Start in das Kerbejahr 2015. Ein Ausflug, das „Sommerfest der Kerbeburschen“ sowie die Teilnahme am Neuenhainer Bobrennen und dem Kerbeumzug Neuenhain folgten. Zum Sommerfest konnten nahezu 300 Besucher – trotz vieler Konkurrenzveranstaltungen – begrüßt werden.ne bei der Fahnenweihe in aller Pracht begutachtet werden.

Froh sind die Kerbeburschen darüber, dass über ihre Bitte zur Verlängerung des Kerbeumzugs seitens des Vereinsring und des Planungsausschusses der Sossenheimer Kerb nachgedacht wird. So könnten die Kerbeburschen mit ihrem Motivwagen auf dem Weg zum Festzelt Ebbelwoi, gezapft aus dem Sossenheimer Faulbrunnen, ausschenken und ihren Wagen erstmals auf der eigenen Kerb einsetzen.

Natürlich wird es bei Freunden und Bekannte des Vereins am Kerbefreitag wieder Hausbesuche geben. Nach der vollendeten Ebbelwoi-Taufe durch den Kerbevadder, in diesem Jahr Bernhard Witter, werden die Burschen anschließend durch den Ort ziehen und den ein oder anderen Bekannten besuchen, bevor am Kerbesamstag der Baum aufgestellt wird

In diesem Jahr kommt es erstmals seit dem Wiederaufleben des Burschenschafts-Brauchtums zu dem Ritual, dass feierlich am Kerbesonntag die Kerbefahne verschenkt wird: Vorstandsmitglied Michael Mager ist Vater geworden, und so folgen die Kerbeburschen dem Ritual, dass die Kerbefahne des Jahres, in dem eine Hochzeit oder eine Geburt stattfanden, dem „Absolventen eines jenen Anlasses“ geschenkt wird. Bei dem kleinen Nachwuchs-„Kerbeborsche“ Matteo handelt es sich um ein echtes Kerbeburschen-Kind, da sich die Eltern durch die damalige Kooperation zwischen den Kerbeburschen und -mädels Schwanheim und Sossenheim kennengelernt hatten.